
Wissenswertes
Was sollten Sie über Polyneuropathie wissen?
Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung mehrerer peripherer Nerven gleichzeitig. „Poly“ bedeutet viele, „Neuro“ steht für Nerv und „Pathie“ für Erkrankung. Betroffen sind meist die Nerven in Füßen und Händen, da diese besonders lang sind und daher empfindlicher auf Störungen reagieren. Nerven haben zwei Hauptaufgaben: Sie leiten Informationen vom Körper zum Gehirn (zum Beispiel Berührung, Temperatur oder Schmerz) und steuern umgekehrt Muskeln und Bewegungen. Sind mehrere Nerven geschädigt, können sowohl Gefühlsstörungen als auch Kraftprobleme auftreten.
Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle oder das Gefühl, „auf Watte“ zu gehen. Manche Betroffene berichten über stechende Schmerzen, andere über verminderte Sensibilität. Auch Gleichgewichtsprobleme können auftreten, weil wichtige Rückmeldungen aus den Füßen fehlen. In fortgeschrittenen Fällen kann zusätzlich Muskelkraft abnehmen.
Die Ursachen einer Polyneuropathie sind vielfältig. Häufige Auslöser sind Diabetes mellitus, Vitaminmangel (insbesondere Vitamin B12), Alkoholmissbrauch, bestimmte Medikamente oder Durchblutungsstörungen. Man unterscheidet grob zwischen sensiblen Formen (vor allem Gefühlsstörungen), motorischen Formen (vor allem Kraftverlust) und gemischten Formen. Außerdem gibt es axonale Formen, bei denen die Nervenfasern selbst geschädigt sind, und demyelinisierende Formen, bei denen die schützende Nervenhülle betroffen ist.
Wichtig ist: Auch wenn geschädigte Nerven sich nur langsam regenerieren, kann die Funktion häufig verbessert und das Fortschreiten verlangsamt werden.
Ein zentraler Therapiebaustein ist gezieltes Training. Bewegung verbessert die Durchblutung der Nerven, aktiviert Stoffwechselprozesse und erhält Muskelkraft sowie Gleichgewichtsfähigkeit. Gerade bei Gangunsicherheit oder Sturzrisiko ist ein strukturiertes Kraft- und Koordinationstraining entscheidend. Schon zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche können die Standstabilität und Reaktionsfähigkeit messbar verbessern.
Ergänzend kann die Hochtontherapie eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Elektrotherapie mit mittelfrequenten Strömen, die tief ins Gewebe eindringen. Ziel ist es, den Zellstoffwechsel zu stimulieren, die Mikrozirkulation zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren. Viele Patientinnen und Patienten berichten über eine Verminderung von Brennen oder Kribbeln sowie über eine angenehmere Sensibilität der Füße. Die Hochtontherapie ersetzt kein Training, kann aber unterstützend wirken und die Therapie ergänzen.
Darüber hinaus spielen Gleichgewichtstraining, sensomotorische Übungen und Gangschulung eine wichtige Rolle. Das Nervensystem ist anpassungsfähig. Durch wiederholte, gezielte Reize können vorhandene Nervenbahnen effizienter genutzt und neue Verbindungen gestärkt werden. Man spricht hier von Neuroplastizität.
Zusammengefasst ist die Polyneuropathie eine Erkrankung mehrerer Nerven mit unterschiedlichen Ausprägungen. Ziel der Therapie ist es, Schmerzen zu reduzieren, Sensibilität zu verbessern, Muskelkraft zu erhalten und Stürze zu vermeiden. Eine Kombination aus medizinischer Abklärung, gezieltem Training und unterstützenden Verfahren wie Hochtontherapie bietet hier einen ganzheitlichen Ansatz.
Auch wenn die Nerven Zeit brauchen – Aktivität, Durchblutungsförderung und gezielte Reize sind wichtige Schritte, um Funktion und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.
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